long covid
- oder wenn eine Auszeit nicht freiwillig ist...
Unter "Long Covid" versteht man Beschwerden, die vier Wochen oder länger nach einer überstandenen Infektion mit dem Coronavirus fortbestehen oder neu auftreten und für die keine anderweitige Erklärung gefunden werden kann. Dauern diese Symptome länger als drei Monate an, spricht man manchmal auch von einem "Post Covid-Syndrom". Eine einheitliche Definition für Long Covid liegt bislang allerdings nicht vor. Meiner Meinung nach ist es bezeichnend, dass es sich um ein "Syndrom" handelt - in diesem Fall eine Beobachtung von einem Symptomkomplex, bzw. Symptomen, deren Ursache nicht eindeutig erklärbar ist. So gibt es keine Tests, die Long Covid an sich nachweisen - es handelt sich vielmehr um eine Ausschlussdiagnose.
Bislang wurden über 200 verschiedene Symptome im Zusammenhang mit Long Covid dokumentiert, welche oft variieren und unberechenbar hinsichtlich ihrer Häufigkeit und Intensität auftreten. Zu den meistgenannten Beschwerden zählen Müdigkeit (Fatigue), Belastungsintoleranz, Atembeschwerden, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen und andere körperliche, kognitive oder psychische Beschwerden.
Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung ist es mir ein Anliegen, Betroffenen Hoffnung zu vermitteln, ihre Selbstwirksamkeit zu stärken und ihnen einen Weg zur Genesung aufzuzeigen.
Ich litt selbst über mehrere Jahre an einem schweren Long Covid- und damit einhergehend an einem schweren Fatigue-Syndrom, Diagnose "unheilbar". Ich kenne die unberechenbaren Symptome, die Ärzte-Odyssee, die zahlreichen, kostspieligen Therapieversuche, die Hilflosigkeit, Angst und Ungewissheit... Heute bin ich überzeugt, dass man mit dem richtigen Verständnis und gezielten Strategien wieder vollständig genesen kann.
Ich arbeite mit dem Ansatz des dysregulierten Nervensystems (auch Mind-Body-Ansatz) - eine Herangehensweise, die mir und vielen anderen (auch Schwerstbetroffenen) die ersehnte Hilfe gebracht hat. Dieser Ansatz geht davon aus, dass den zahlreichen Beschwerdebildern eine gemeinsame Ursache zugrunde liegt - nämlich ein massiv dysreguliertes autonomes Nervensystem. Mit verschiedenen Massnahmen und gezielten Strategien können wir unser Nervensystem beeinflussen und so dazu beitragen, dass sich dieses nach und nach wieder reguliert. Eine ausführlichere Beschreibung dazu findest du weiter unten.
Bitte beachte, dass ich keine Ärztin bin, keine Heilversprechen machen und medizinisch keine Verantwortung übernehmen kann. Die meisten Betroffenen werden aber ohnehin von ihrem Hausarzt oder in einer Long Covid-Sprechstunde begleitet und sind bereits breit abgeklärt - oftmals ohne Auffälligkeiten. Die Erfahrung hat gezeigt, dass selbst abweichende Biomarker wie erhöhte Entzündungswerte, Autoantikörper, ein überaktives oder geschwächtes Immunsystem, eine Mitochondriopathie etc. sich über die Zeit wieder normalisieren können, wenn das Nervensystem mehr und mehr zurück in die Regulation kommt.
Ich teile gerne meine Erfahrungen und begleite dich individuell auf deinem Weg. Je nach deinem Zustand und deinem Bedürfnis biete ich eine 1:1 Begleitung an, Einzelsitzungen nach Bedarf und/oder ich gebe dir Tools an die Hand, mit denen du mehrheitlich selbständig arbeiten kannst. Wir finden einen Weg, der zu dir passt!
Mind-Body-Ansatz
In meiner Arbeit orientiere ich mich am Mind-Body-Ansatz (auch «Nervensystem-Ansatz»). Das bedeutet, ich betrachte Körper, Gehirn und Nervensystem als eng verbundenes System, das aus dem Gleichgewicht geraten kann – dies geschieht manchmal schleichend, manchmal durch einen konkreten Auslöser wie z.B. eine Erkrankung oder ein einschneidendes Ereignis. Als Folge einer solchen Dysbalance wird oftmals ein anhaltend aktiviertes Stress- und Alarmsystem beobachtet, welches Symptome auslösen, aufrechterhalten oder verstärken kann – real, spürbar und oft sehr belastend!
Viele Betroffene von LongCovid, ME/CFS, postviraler Fatigue oder anderen chronischen Symptomen erleben – wie oben beschrieben – dauerhafte und oft wechselnde Beschwerden. Häufig liegt bereits ein langer Weg mit medizinischen Abklärungen hinter ihnen – und gleichzeitig bleibt vieles unklar oder schwer greifbar.
Wenn keine strukturellen Gewebeschäden feststellbar sind, spricht man oft auch von «neuroplastischen» oder «noziplastischen» Symptomen. Das bedeutet, Symptome oder Schmerzen wurden unbewusst vom Gehirn erlernt und werden weiterhin aufrechterhalten, selbst wenn ein allenfalls ursprünglicher Auslöser längst wieder verschwunden ist. Das Nervensystem ist überempfindlich geworden, interpretiert harmlose Reize zunehmend als Bedrohung und erzeugt als «Warnsignal» weitere Symptome oder verstärkt bereits vorhandene Beschwerden.
Der Mind-Body-Ansatz wurde unter anderem durch Dr. John Sarno geprägt (ursprünglich im Zusammenhang mit chronischen Schmerzen als TMS – Tension Myositis Syndrome definiert) und später von Dr. Howard Schubiner weiterentwickelt und wissenschaftlich untersucht.
Im englischsprachigen Raum ist dieser Ansatz bereits viel stärker verbreitet, entsprechend finden sich auch zahlreiche Ressourcen und Genesungsberichte auf Englisch. Vor allem durch den unermüdlichen Einsatz von ehemals Betroffenen erhält diese Herangehensweise jedoch auch bei uns zunehmend Aufmerksamkeit.
So arbeite ich
Grundsätzlich beginne ich mit Wissensvermittlung. Ich erkläre dir verständlich und individuell angepasst, was in deinem Körper passiert, wie dein Nervensystem auf Belastung reagiert und warum Symptome entstehen und sich verändern können. Bereits dieses Verständnis kann Unsicherheit reduzieren und dir helfen, deine Beschwerden als weniger bedrohlich zu erleben.
Parallel dazu entwickeln wir gemeinsam einen individuellen Bewegungsaufbau und einen achtsamen Umgang mit Aktivität und Belastung. Dabei geht es nicht um eine schnelle Leistungssteigerung, sondern darum, deinen Körper schrittweise und sicher wieder an (mehr) Stabilität und Belastbarkeit heranzuführen – abgestimmt auf deine aktuelle Situation.
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist das Prinzip von Reiz-Erholung. Dein Nervensystem darf wieder lernen und üben, nach einer Aktivierung in einen Zustand von Ruhe und Entspannung zurückzufinden. Viele Betroffene erleben, dass genau diese Fähigkeit eingeschränkt ist. Durch gezielte, sanfte Impulse und verschiedene Techniken unterstützen wir deinen Körper und dein Nervensystem dabei, diese Regulationsfähigkeit Schritt für Schritt wieder aufzubauen.
Ebenso unterstütze ich dich im Umgang mit Symptomen. Du lernst, körperliche Signale anders einzuordnen und darauf so zu reagieren, dass dein Nervensystem sich beruhigen kann. Durch eine bewusst veränderte Reaktion auf deine Symptome kann dein Gehirn neu lernen, dass du in Sicherheit bist und «Warnsignale» nicht länger nötig sind.
Ein zentrales Konzept dabei ist das sogenannte „Brain Retraining“. Dabei nutzt du bewusst wiederkehrende Situationen, um neue Reaktionsmuster zu entwickeln, dein Gehirn «umzutrainieren» und somit Schmerz-, Stress- oder Angstreaktionen zu verändern. Was zunächst vielleicht ungewohnt klingt, ist tatsächlich ein gut erforschtes Prinzip der Neuroplastizität. Es bedeutet konkret, dass dein Gehirn formbar ist und sich verändern kann. Es baut neue Verbindungen zwischen Nervenzellen auf und stärkt oder schwächt bestehende – je nachdem, was du denkst, fühlst und tust.
Wichtig zu verstehen:
Deine Symptome sind nicht "eingebildet", sondern real und körperlich spürbar – auch wenn medizinische Abklärungen unauffällig waren. Häufig liegt keine nachweisbare strukturelle Schädigung zugrunde, sondern ein überaktiviertes Nervensystem, das den Körper dauerhaft in Alarm hält. Die gute Nachricht: Dieses System kann lernen, sich wieder zu beruhigen und in einen regulierten Zustand zurückfinden.
Sehr gerne empfehle ich dir die unten verlinkten Seiten zum Thema. Auch wenn sich deren Inhalte teilweise auf chronische Schmerzen beziehen, sind die Prinzipien direkt übertragbar auf chronische Symptome allgemein, wie sie z.B. bei Long Covid oder ME/CFS erlebt werden.
